Die Austeritäts-Doktrin

Die Austerität steht als Doktrin fester denn je. Es ist egal, dass ihre Resultate vernichtend sind, dass ihre Sprache langsam sowjetisch klingt und dass niemand auch nur das geringste Vergnügen an ihr hat. Oder an Europa. Es ist die einzige Idee, die der Politik noch geblieben ist.

LESEBEFEHL !1!!!

02. Juli 2015 von stillewasser
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Vulgär-Austeriologen

US-Ökonomen halten nichts von Muttis alternativloser Griechenland-Politik-Farce und stellen sich demonstrativ hinter Tsipras!

Der Grund ist einfach. Seit mehreren Jahren ist empirisch bewiesen, dass Austerität nicht funktioniert. Das ist nämlich das Ergebnis einer Studie des IWFs:  Jeder eingesparte Euro erzeugt auf der anderen Seite Kosten, die höher als die Einsparungen sind. Die Sparorgien wirken nicht – im Gegenteil, sie erzeugen eine Abwärtsspirale!

Der Glaube an die Wirkung der Austerität ist eine Ideologie, die nichts mit der Realität zu tun hat. Leider lässt sich das deutschsprachige Europa nicht von fundiert arbeitenden Ökonomen, sondern nur von Vulgär-Austeriologen beraten. Europas Katastrophe wird vorerst nicht enden.

[Via egghat]

[update] Auch Welt-online berichtet von den US-Austeritätsgegnern. [/update]

30. Juni 2015 von stillewasser
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Muttis Inferno

Fakt 1. „Unser“ Geld ist schon seit dem ersten Schuldenschnitt verloren, als „wir“ die griechischen Kredite der Privatbanken übernahmen. „Unser“ Geld wäre niemals gefährdet gewesen, wenn der erste Schuldenschnitt kein Jackpot für die Banken zu unseren Lasten gewesen wäre.

Fakt 2: Ob Griechenland Teil der Euro-Währungsunion bleibt, ist primär eine politische, keine ökonomische Frage. Die Kosten sind in beiden Fällen enorm groß (siehe Fakt 1). Die Kosten ließen sich nur mit einer wachstumsorientierten Rettungspolitik senken.  Die bisherige „Rettung“ mittels Austerität ist jedenfalls gescheitert und hat „unsere“ Kosten dramatisch erhöht.

Fakt 3: Der Grexit wird gerade vor unseren Augen dermaßen dilettantisch durchgeführt, dass keiner die nächsten Schritte kennt, es zu Ungewissheiten und panischen Reaktionen kommt, wie einem griechischen Bank run, und so der Schaden für alle Beteiligten maximiert wird.

Fakt 4: Die europäischen Werte besagen, dass die Würde der Märkte wertvoller als die der Bürger ist. Die Forderung Tsipras, sein Volk demokratisch über das angebotene „Rettungspaket“ abstimmen zu lassen, ist für die Märkte einfach zu verstörend und muss daher verhindert oder zumindest hart bestraft werden.

Fakt 5: Unsere Kanzlerin scheint an der ganzen Farce unbeteiligt zu sein, doch das ist sie keineswegs. Sie traf sich anfangs des Monats mit Draghi und Lagarde im Kanzleramt, jedoch ohne Schäuble und Tsipras. Die Folterwerkzeuge der Austerität, die den Griechen nun präsentiert und von ihrer Regierung abgelehnt wurden, hatten daher sicherlich Muttis Segen.

Mutti wird zum kommenden Inferno des Grexits die unschuldig Überraschte spielen, sie ist aber alles andere als das.

28. Juni 2015 von stillewasser
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Angriff auf das Neuland

Seit Wochen wird das Computer-Netzwerk unseres Parlaments attackiert: Millionenschaden, 20.000 Rechner betroffen, Zugriff auf alle Administratoren-Passwörter, Hardware muss getauscht werden, Reparatur dauert mindestens Jahr, der Angriff erfolgt von dem Bösen an sich: den Russen! Wow.

Wir haben in diesem Land echte Experten und die Sagen etwas völlig anderes: Der Angriff ist leicht zu durchschauen und keine große Sache.

Was stimmt den nun? Das hysterische Geschrei der IT-Verantwortlichen des Parlaments, das durch unsere Journaille massenmedial verstärkt wurde, oder die Analyse bewährter Profis? Ich habe die Hysterie um diesen mysteriösen Angriff nie verstanden: Wenn Computer infiziert sind, werden sie isoliert und gesäubert. Schlimmstenfalls müssen sie neu installiert werden. Sind Passworte geknackt worden, werden sie geändert – natürlich erst nachdem der Angriff abgewehrt wurde. Das sind im Neuland seit Jahren bewährte Verteidigungsstrategien. Das schwierige ist die Entdeckung eines Angriffs, seine Beseitigung muss reine Routine sein. Wenn man einen Angriff wochenlang nicht unter Kontrolle bekommt, obwohl die Spur bis zum Angreifer zurück verfolgt werden konnte, lässt das nur einen einzigen Schluss zu: Für die offensichtliche Inkompetenz wurde ein bequemer Sündenbock gesucht.

All das passt wunderbar zu einem Land, das die Schuldenprobleme eines kleinen im Grunde unbedeutenden Landes in einer gemeinsamen Währungsunion nicht in den Griff bekommt, dessen Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens schon vor Jahren stattfinden sollte, das seine schwarze Null feiert während die Infrastruktur zerfällt, dessen Niedriglohnsektor zu lähmenden Langzeitstreiks führt, das eine Energiewende vollzieht, indem die eigene Solarindustrie zerstört wird, das in Afghanistan Waffen erprobt ohne dass es den Waffen oder dem Land besser geht, …

An Teflon-Mutti prallt diese nicht endende Kette an ungeheuerlichen Misserfolgen einfach ab. Ich verstehe es nicht.

16. Juni 2015 von stillewasser
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Wenn der Verstand grunzt, bellen die Katzen

Das britische Bellokatzen-Team hat „forensische“ Beweise gefunden, dass die von Russland veröffentlichten Sattelitenfotos gefälscht seien. Nahezu die gesamte Qualitätsjournaille brachte das Thema als großen Aufmacher. Leider war alles nur heiße Luft. Die „Analyse“ beruht auf dermaßen vielen Irrtümern, dass es eine gewisse Tragikkomik hat. Die „investigativen“ Bürgerjournalisten nutzen einen simplen Online-Service und machten gleich mehrere Fehler: Vor einer Veröffentlichung werden Bilder im Grunde immer modifiziert, allein um einen Ausschnitt zu wählen, Farbfehler zu korrigieren, Legenden und andere Markierungen einzufügen. Ein weiterer Artefakt entsteht durch die Komprimierung des Bildes, die je nach Struktur anders arbeitet, was das Analyseprogramm auch anzeigt. Die „gefälschten“ Wolken sind also nur anders komprimiert wie der Rest des Bildes. Diese „glorreiche Erfolgsstory“ fügt sich nahtlos mit den anderen investigativen Irrwitzen des Bellokatzenteams aneinander.

Warum kann unsere Qualitätsjournaille nicht so etwas simples machen, wie sich die Webseite des Analysetools anschauen, diese einfache Erklärung intellektuell zu durchdringen und mit der Aussage der Analyse des Bellokatzen-Teams zu vergleichen? Doch das sind gleich zwei Probleme auf einmal: Man müsste über die Kompetenz der .. hm, wie hieß das nochmal? Ja, klar! .. der Recherche verfügen und .. ups, das ja auch noch! .. zu logischen Schlussfolgerungen imstande sein. Aber wer glaubt, dass Schokolade ein Schlankmacher ist, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

03. Juni 2015 von stillewasser
Kategorien: Krieg, Medien | Schreibe einen Kommentar

MaFifa

Der Fifa Korruptionsskandal ist überfällig. Wer den investigativen Journalisten Jens Weinreich kennt, weiß, dass sich die mafiösen Strukturen spätestens seit den 90zigern ungehindert im Verband ausbreiten konnten. Die aktuelle Eskalation wirft allerdings einige Fragen auf:

  • Weshalb gab es seitens der Massenmedien zuvor nur Lob für Blatters Fifa und Kritik an ihr war pure Verschwörungstheorie?
  • Weshalb sind die USA die treibende Kraft und nicht die Schweiz, in der sich der Sitz der Fifa befindet, oder der europäische Fußballverband Uefa?
  • Weshalb erfolgt der Zugriff auf die Fifa-Funktionäre ohne konkreten Anlass, dafür aber zu einem politisch brisanten Zeitpunkt vor Blatters eigentlich alternativloser Wiederwahl?

All das lässt nur einen Schluss zu: Es ist kein edler Kampf gegen die Korruption, sondern nur ein übler Machtkampf. Mit Blatters Fifa trifft es schon den Richtigen, keine Frage, aber wer sich Hoffnungen macht, dass aus dem Skandal eine gereinigte Fifa empor steigen könnte, der ist hoffnungslos naiv. Es werden wie immer nur Köpfe ausgetauscht, die mafiösen Strukturen werden beibehalten. Denn an deren Abschaffung hat keiner ein ernsthaftes Interesse.

29. Mai 2015 von stillewasser
Kategorien: Gesellschaft | Schreibe einen Kommentar

Militärische Werte-Gemeinschaft

In der Flüchtlingshilfe schafft der Friedensnobelpreisträger EU mit Waffen europäische Werte:

eu-werteQuelle: wikileaks

Es ist doch beruhigend,  die gemeinsame Liebe zur Gewalt überwindet sogar kulturelle Grenzen.

[update] Es ist kein Wunder, dass die Zusammenarbeit so gut funktioniert. Sie hat nämlich eine lange Tradition [/update]

26. Mai 2015 von stillewasser
Kategorien: Krieg | Schreibe einen Kommentar

Profil

@stillewasser und ich sind der Überzeugung, dass einspruch.org fortgeführt werden soll. Wir sind beide nicht davon überzeugt, dass die Entwicklungen in Griechenland gut gelaufen sind, sondern Gefahrenmomente enthalten.

Ich finde, dass der Umgang mit dem Islam besser sein sollte – und werde dazu schreiben. Die Unwissenheit und Heuchelei zu diesem Thema ist sehr groß. @stillewasser denkt Ähnliches im Blick auf unsere Zunft der Ökonomen.

Wir konzentrieren uns also und schärfen das Profil des Blogs.

 

08. April 2015 von Martin Poettner
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Wann starb der Journalismus?

Der Tiefpunkt der Berichtserstattung über den Germanwing-Absturz ist dermaßen eklatant, dass diesmal selbst Journalisten feststellen müssen: Der Journalismus existiert nicht mehr!
Wann genau war der Todeszeitpunkt? Ohne Frage war es ein langes Siechtum. Für mich haben die Ausdünstungen der Verwesung bereits 2011 die Schwelle der Übelkeit überschritten. Es war der damalige Dreiklang von Guttenberg, Mixa und Sarrazin, der meine Toleranzgrenze sprengte.
Leider gibt es keinen Nachfolger. Übrig geblieben sind nur die Boulvard-Hyänen, die Aasfresser der klickgeilen Informationsgesellschaft.

30. März 2015 von stillewasser
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Haben Psychopharmaka den Germanwing-Absturz verursacht?

Ein erweiterter Selbstmord, umgangssprachlich wird er als Amoklauf bezeichnet, ist nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen die Ursache des Flugzeugabsturzes der Germanwing Maschine. Der psychisch kranke Co-Pilot soll ihn vollkommen emotionslos durchgeführt haben. Die Crew konnte nicht eingreifen, da er sich, als der Flugkapitän zur Toilette ging, im Cockpit verbarrikadierte. Nach dem 11. September sind die Cockpit-Türen so verstärkt worden, dass sie selbst mit einer Axt kaum zerstört werden können. Die Crew hatte keine Möglichkeit Einzugreifen, um das Unglück zu verhindern.

Bei der Ursachenforschung zu erweiterten Selbstmorden gibt es eine gerne Verschwiegene Ursache: Der Einfluss von Psychopharmaka. Es gibt starke Indizien, die den Psychopharmaka bei Suiziden und erweiterten Suiziden eine entscheidende Rolle zusprechen. Eine systematische Ursachenforschung findet allerdings nicht statt.

Der Co-Pilot befand sich in Behandlung und war krank geschrieben. Er hatte jedoch die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zerrissen und ging trotzdem zur Arbeit. Der Schluss liegt nahe, dass er zum Zeitpunkt des Unglücks Psychopharmaka einnahm. Die Frage, ob das Medikament einen Einfluss auf das Geschehen hatte, wird offiziell nicht gestellt werden. Es ist ein Tabu.

28. März 2015 von stillewasser
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