Schluckimpfung gegen die Verblödung

Tja, wenn der pöbelnde Bundesbankvorsitzende Sarrazin ein Buch schreibt, dann ist das natürlich ein Ereignis von nationalbewegender Bedeutung. Ein Spitzenbänker wie Thilo schreibt nicht über sein Versagen in der Krise, er schreibt auch nichts darüber, wie er den angerichteten Schaden wieder gut machen könnte, nein, er schreibt einzig mit dem Ziel, sich wieder beim kleinen Mann einzuschleimen. Das geht im teutschen Teutonia, wie jeder weiß, am besten mit Migratenbashing, dem als Würze des Ganzen noch ein paar skurrile pseudowissenschaftliche Thesen – und ganz wichtig – ein paar zahlige Zahlen beigemischt werden.

Schaut man sich das noch nicht veröffentlichte Buch an, muss man neidlos anerkennen, dass Sarrazin ein fiktionsreiches Handbuch, ach was sage ich da, eine neue Bibel für Genhygieniker geschrieben hat. Es steht jetzt schon fest, es wird einschlagen wie eine Bombe. Denn endlich hat jemand den Mut aufgebracht, das sinnlose Tabu der gesellschaftlichen Spaltung in gute und schlechte Gene nach über 70 Jahren wieder zu brechen!
Was soll ich als Gutmensch über das Buch sonst noch sagen? Jede Zahl darin hat Ziffern, jede Zeile spaltet.

Mit Bild und Bertelsmann im Rücken wird die bereite Michelmasse das Werk den Buchhändlern wie ein Harry Potter Sammelband Teil 8 bis 88 aus den Klauen reißen. Jetzt schon campen Pi-Pilger vor den Papierbuchpalästen der ihnen bis dato unbekannten Bildungsstätten. Es ist kaum zu glauben, aber mit dieser selbstherrlichen Tat sorgt Thilo Sarrazin bereits vor der Veröffentlichung des Buches für ein Wunder: Menschen werden zum ersten Mal die schwarz weißen Seiten eines Buches lesen, die zuvor nur mühevoll die Worte auf den nassen T-Shirts der Bild-PinUp-Girls entziffern konnten. Sarrazin erreicht mit dem geschriebenen Wort soziale Schichten, die ein Bänker ansonsten nur von der Schuldeneintreibung kannte.
Vorbildliche Unterschichtenbildung sozusagen.


 

Für Gutmenschen, die um die Problemen aber vor allem um die Chancen einer multikulturellen, toleranten Gesellschaft wissen, eine kleine Auswahl an plakativen Schluckimpfungen gegen die aktuell grassierende Verblödung:

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27. August 2010 von admin
Kategorien: Allgemein | Schlagwörter: , | 18 Kommentare

Kommentare (18)

  1. Der bisher beste Kommentar zu Sarrazins eugenischen Thesen. Ich sage nur, danke Herr Gabriel und viel Erfolg!!1!

    http://www.zeit.de/2010/38/SPD-Sigmar-Gabriel

  2. Jaja, die SZ. Hat ihr Archiv auf Vordermann gebracht, aber ihre Community ist schlechter als ein Schülerzeitungsforum.

    Ich hatte schon damals während den Diskussionen eine leise Vorahnung, dass all die Diskussionsschlachten uns noch als Gesellschaft im Ganzen bevorstehen. Die eskalierenden Prozesse im Forum sehe ich auch als mögliche Entwicklung: Zerfall in kleinere, autarke, aber dennoch etwas lose vernetzte Untergruppen. Als hetero sage ich da: und das ist auch gut so!

  3. und warum nicht? Zuspitzen ist manchmal sehr nützlich, so oder so. Und die Erfahrung von M. Spreng ist ebenfalls nützlich. Ja, vielleicht “irgendwie so” muss das gewesen sein in den Anfängen von 1933, die wir, mit der Gnade der späten Geburt gesegnet, nur “irgendwie” nachempfinden können.

    Diskutiere das natürlich im Freundes- und (erweiterten) Familienkreis, reflektiere (auch bei mir im Blog) schon mal darüber, eben über diese Diskussionen. Das ist nützlich, wie gesagt; und es sollte “uns” nicht in falschen Illusionen wiegen. Wir alle, fast alle, sind nicht frei von den Reflexen unserer (tierischen) “Vorfahren”.

    Aber “wir” sollten uns nicht auf die Stufe dieser offiziellen Heuchler, dieser von Amts wegen nur unser Bestes wollenden Politiker stellen. Da kommt doch bei mir wieder der Göttinger Mescalero durch; klammheimlich. Da mögen sie von zwei Seiten unter Druck kommen, zum einen von dem irrlichternden Thilo und seinem Dunstkreis und zum anderen von der zunehmend fordernden Realität.

    Grüße ansonsten…ebertus

  4. Deinem Link darf ich hier leider nicht folgen, habe dennoch etwas gefunden, wo u.A. “wir drei” uns da etwas outen, etwas auslassen zur (wieder/noch) aktuellen Thematik. Und auf Seite zwei,  in meinem  Post, der erste Link ist schon beinahe ein Fanal, zumindest “irgendwie” ahnungsschwanger.

    http://zwischenrufe.org/forum/topic.php?id=2300

    Merkwürdig übrigens, das dieser SZ-Link noch funktioniert???

    ebertus alias reloaded

  5. Hoho, Dohnanyi verteidigt Sarrazin. Einem Populisten beizustehen, der von BILD und Springer sekundiert wird, ist – hm – alternativlos.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/debatte-um-thilo-sarrazin-feigheit-vor-dem-wort-1.996129

    Oder zeugt, wie Lübberding bei WEISSGARNIX meint, von einem persönlichen Bildungsnotstand

    http://www.weissgarnix.de/2010/09/06/dohnanyis-ganz-privater-bildungsnotstand/

    Ich würde sagen, der pöpelnde Thilo hat seine Mission erfüllt: die Gräben werden tiefer, die gesellschaftliche Atmosphäre lädt sich auf.

    Danke Thilo, gute Arbeit :-(

  6. Lieber Martin,

    ich erinnere mich noch gut, wie ich dem Obertroll in der Diskussion vorwarf, er habe nicht die richtigen Gene, um die Sarrazin-These intellektuell verstehen zu können. Da habe ich mich wirklich köstlich amüsiert.

    Aber, und das ist gar nicht lustig, in einem sagt Sarrazin die Wahrheit.  Er hat die Mehrheit hinter sich:

    “wir” Deutschen wollen wieder offen rassistisch sein dürfen.

  7. @stillewasser

     

    Ich persönlich war auch beim alten Forum überrascht, wie viele rassistische Überzeugungen weit verbreitet sind. Dass Juden ein bestimmtes Gen haben, müsste erst einmal an allen Jüdinnen und Juden aufgezeigt werden, dann, dass dies bei anderen Menschen nicht vorkommt usf. Eine faktisch kaum zu lösende Aufgabe. Dies würde aber, gelänge es, nicht viel besagen. Die neuere Forschung (seit etwa 40 Jahren) akzeptiert immer stärker, dass Gene aktiviert oder nicht aktiviert sind. Aktivierend ist die Zelle, die einen Botenstoff an das Gen schickt, ein Sachverhalt, der jede rassistische Position im Kern lächerlich macht. Denn die Aktivierung oder Nichtaktivierung geschieht vor dem Hintergrund des Verhältnisses zur Umwelt.

    Bei den Juden ist es typisch, Sarrazin glaubt allen Ernstes, dass diese ein Volk darstellen, dass sozusagen in Berlin ein günstiges Fremdvolk gewesen sei, mit einem besonderen ökonomisch hilfreichen Gen. Das steht ungefähr schon so in L′ettre International. Der Unterschied zur Nazithese besteht darin, dass ökonomische Gene eben gut sind. Denn die deutsche Bevölkerung braucht ökonomische Gene, alleine schafft sie es nicht so gut. Die Muslime haben leider, leider nicht so ökonomische Gene, daher entweder Zwang oder Ausweisung. Dazu muss natürlich das GG geändert werden. Aber nicht einmal die CDU denkt daran (Merkel und Koch).

     

    http://nachrichten.t-online.de/sarrazin-auch-koch-distanziert-sich/id_42683120/index

  8. Blutdiamant Sarrazin: ein Beitrag eines Betroffenen, der betroffen macht:

    http://print-wuergt.de/2010/09/08/migrationsvordergrund/

  9. @ebertus

    Im alten Forum gab es mal eine schöne Diskussion. Sie nante sich “Machtergreifung” der Nazis 1933 Wenn der Erfahrungswert stimmt, dass wir damals vieles vorab diskutiert haben, dann wird ArchiA’s These der “Nazi verherrlichenden Haltung der türkisch- und arabischstämmigen Jugendlichen” bestimmt auch bald in den Medien herumgeistern. Hach, alte, neue Zeiten.

    Wie sollte ich Illusionen haben? Das Kommende ist alternativlos und Entsolidarisiert ist sich jeder die nächste Bestie.

  10. Danke für Deine galligen Worte, ich habe mir am Dienstag das Kapitel im Spiegel durchgelesen – und bin aufgrund der Kälte doch sehr entsetzt. Natürlich weiß er, dass man dazu eine Grundgesetzänderung braucht. Eine solche ist wohl angezielt, aber Angela Merkel hat durch ihren Sprecher Seibert schon ein deutliches “Njet!” verlauten lassen. Wenn die SPD noch bei Sinnen ist, sollte sie ein Ausschlussverfahren anstrengen, da sind viele Ausschlussgründe drin. Hoffentlich verfängt die Excel-Rechnung nicht beim Volk, denn tauscht man ein paar Trends aus bzw. liest das naicht als eindeutigen Trend bis 2100, fällt der Argumentationsversuch dann doch wohl als plumpe rassistische Polemik auf.

  11. Lieber Martin,

     

    leider bin ich davon überzeugt, dass die kruden Thesen verfangen werden – ein Bänker kann doch schließlich Statistiken lesen, wie die Finanzkrise zeigt ;-) Ich werde daher noch mehr Artikel zu diesem Thema schreiben, das liegt an der Penetranz des Gutmenschen in mir.

    Viele meinen, Sarrazin müsste nur ignoriert werden. Das ist leider ein schlechter Witz, wenn er tagelang die Schlagzeilen von Bild, Spiegel und Co in Beschlag nimmt und sein Buch sich erfolgreich verkaufen wird – es ist jetzt schon auf Platz eins der Amazon Bestsellerliste

    http://www.amazon.de/gp/bestsellers/books/ref=pd_dp_ts_b_1

    Natürlich ist das alles Marketing, aber es ist – leicht erkennbar – mehr. Es geht um die Spaltung der Gesellschaft, es geht um die Präsentation eines  Sündenbocks für die Verfehlungen, die eben gerade Bänker zu verantworten haben.
    Polemik ist das eine, aber Sarrazin lügt für diese Ziel ganz bewusst. Nur zwei Belege:

    http://www.abendzeitung.de/politik/208262

    http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/33007

    Aber im Moment ist der damit beschäftigt, sich selbst lächerlich zu machen

    http://www.tagesschau.de/inland/sarrazin164.html

    Und dann gibt es noch die Menschen, die behaupten, Sarrazin biete Lösungen für die Integrationsproblematik an. Mir bleibt da immer die Spucke weg, denn wohin  rassistische “Lösungen” führen können, sollte jeder Deutsche wissen. Leider ist es nur ein naiver Gutmenschenglaube, dass wir unsere Lehren aus unserer Vergangenheit gezogen hätten.
    Übrigens, genau diese Tatsache hat mir den Abschied aus dem alten Forum leicht gemacht. Dort wurden wie so viele Entwicklungen bereits frühzeitig diskutiert und so ist das alles nicht mehr überraschend.

  12. Ein interessanter Artikel in der TAZ. Er zeigt, dass der Rassismus in der SPD ein strukturelles Problem ist und die ganze Partei noch weit entfernt von einer Modernisierung ist.

    http://taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/wir-sollten-uns-trennen/

  13. Erstes Opfer in der Sarrazin-Debatte: Sprengsatz schließt seine Kommentare

    http://www.sprengsatz.de/?p=3481

  14. Die TAZ in hochform

    http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/heilsames-erschrecken-ueber-sarrazin/

    Exakt so ist es! Leider sehen das nicht alle so und wollen gerne Sarrazins Rassismus in tischfeinen Portionen beibehalten, wie dies Herr Schirrmacher von der FAZ probiert.

    http://www.fixmbr.de/rassismus-bleibt-rassismus-eine-replik/

    Die Diskussion geht ans Eingemachte. Dennoch ist meine Prognose, dass sie heute mit der Buchpräsentation ihren Zenit überschreitet und versandet – wie es auch stets bei der Afghanistan-Debatte der Fall ist. Ein bisschen Kleister auf den gesellschaftlichen Riss und gut ist.

  15. Unsere Kanzlerin Frau Merkel gibt einer türkischen Zeitung ein Interview und was soll ich sagen, sie findet zur Kausa Sarrazin verständliche und angemessene Worte, denen ich zustimme.

    http://www.hurriyet.de/haberler/gundem/672807/bundeskanzlerin-angela-merkel-unsinn

    Es wird hoffentlich nicht mehr vorkommen, dennoch muss ich feststellen: unsere Kanzlerin hat richtig gehandelt.

    Der Rauswurf Sarrzins aus dem Vorstand der deutschen Bundesbank und wohl auch aus der SPD ist gerechtfertigt. Wenn seine Gene schon über die jüdischen Artgenossen unbedarft palavern, dann müssen sie aus dem Meinungspool entfernt werden. So sind die harten darwinistischen Selektionsmechanismen der deutschen Öffentlichkeit.

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