Kim Jong Wulff – oder wie Staatsoberhäupter so abtreten
Der “geliebte Führer” Nordkoreas, der gottgleiche Kim Jong Il, ist gestorben. Deutschlands Bundespräsident Wulff, vollständig unauffällig und in profanen Korruptionsvorwürfen verstrickt, hält an seiner irdischen Existenz fest und bleibt uns erhalten. Der eine stürzt eine ganze Region in die Krise, der andere gibt der Krise den angenehmen Muff des Kleinbürgerlichen zurück.
Wie gut, dass wir die Qualitätsmedien haben, ansonsten wäre uns diese Parallelität der Unparallität völlig verloren gegangen. Hier erleben, ein großer Führer in einem kleinen Land und ein kleiner Präsident in einem großen Land, als Staatsoberhäupter in ihrer Amtszeit eine bedeutende und der andere eine unbedeutende Wende. Und wir Mitleser dürfen ob der historischen und nicht-historischen Ereignisse erschaudern oder nicht. Ich finde das gut – zum einen, zum anderen wiederum nicht. Denn das Drama um King Jong Il hat alles, was für einen mindestens Dreiteiligen Hollywood-Blogbuster mit bestimmt über zwanzig garantierten Oskars notwendig ist, die Wulff-Affaire hingegen ist so einschläfernd wie eine Jura-Vorlesung um halb vier Uhr morgens.
Über Kim Jong Il kann ich nicht viel sagen, außer dass er jetzt tot ist. Über Wulff kann ich – da haben wir endlich mal eine Gemeinsamkeit – auch nicht viel sagen, außer dass er so ist wie er immer war. Er war nie mein Präsident, jedoch ich muss neidlos anerkennen, dass er seine Rolle perfekt ausfüllt. Nein, das Amt hat er nicht beschädigt. Wie denn auch? Er hat vom Hotte Köhler kein nennenswertes mehr übernehmen können, sein Vorgänger hat ja schon alles kaputt beschädigt. Wir Michels erwarten als Bundespräsident doch nur noch aus dem angefilzten Politiksumpf einen Grüßaugust – und da machen der Wulff und seine Tattoo-Braut doch echt eine glänzende Figur – vorgesetzt zu bekommen, dessen einziges Bestreben nach den anstrengenden Photoshop-Touren die persönlicher Bereicherung ist. Und mal im Ernst, der jetzige Skandal hat nicht mal Anfängerniveau erreicht, da haben der Steinbrück mit der HRE und die Merkel mit der Griechenlandpleite deutlich mehr Schaden angerichtet als der provinzielle Wulff.
Also flennen wir uns zum Abschied von Kim Jong Il ganz auf nordkoreanisch die Augäpfel aus dem Schädel und lassen unseren Bundespräsidenten noch im Amt, damit die Weihnachtsansprache gerettet ist und er das mit den Affairen noch lernen kann.
[update]
- 70% der ARD online Leser haben diesen Artikel gelesen und sind gegen einen Rücktritt von Wulff
- Wulff exhumiert Majestätsbeleidigung
Wulff klagt einen Blogger wegen Majestätsbeleidigung an – geht’s noch?


ich kann die ard online leser verstehen. man stelle sich nur vor, wir kriegen dann doch noch den gauck. das wäre ja noch fuuuurchtbarer.
Die Leute reagieren wie in der ersten Phase beim “guten” Politiker Guttenberg. Da Wullff der letzte mögliche Kanzlerkandidat aus dem sogenannten “Anden-Pakt” war, durfte er seitens Mutti gegen Gauck antreten. Anders als @gast scheint es mir sicher, dass es bei Gauck um elementare Rekonstruktion demokratischer Prozesse gegangen wäre, die leider bitter nötig ist, selbst wenn Gauck auch “konservative” Züge gehabt hätte. Habe in der Klinik sein Buch gelesen …
Muttis Personaltableau ist nun weitgehend futsch. Wulff hat gegenüber dem niedersächsischen Landtag die Unwahrheit gesagt. Er hält jetzt selbst nicht mehr die ganz starke Behauptung aufrecht, er habe in keiner Geschäftsbeziehung zu Geerkens gestanden.