Das Hyperventilieren vor dem Kollaps

Der EZB-Präsident Draghi kündigte eine ‘Bazooka’ zur endgültig-endgültigen Euro-Rettung™ an, heraus kam allerdings nur ein lauwarmes Lüftchen. Das Problem der Euro-Krise ist, dass sie sich einfach nicht mit Mitteln lösen lässt, die mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar sind. Daher muss die “Rettung” noch warten und darf erst nach dem 12. September erfolgen, wenn das Bundesverfassungsgericht sein Urteil gefällt hat. Erst dann kann in den Hinterzimmern der Finanz-Lobbyisten ein marktkonformer Weg zusammen gezimmert werden, der kreativ die dann aufgestellten Verfassungshürden umgehen kann.

Nach Professor Homburg meldet sich nun auch Gauweiler und eine Koalition der Willigen Euro-Retter aus Habermas, Bofinger, Nida-Rümelin zu Wort. Was ist da eigentlich los? Woher dieses Hyperventilieren im Sommerloch? Die Antwort findet sich in den Daten und Grafiken von Querschüsse. Spanien kollabiert, das Kapital flüchtet, der Autoabsatz bricht dramatisch ein und die Renditen der spanischen Staatsanleihen sind trotz aller “Bemühungen” wieder in der Todeszone. Das Problem: Spanien ist zu groß für die Rettungsschirme. Der Euro ist in seiner jetzigen Form nicht mehr zu halten.

Derzeit entscheidet sich, auf welche Weise der Euro zerfallen wird. Selbst wenn die Euro-Zone bestehen bleiben sollte, würde der Euro seinen Charakter so ändern, dass er nicht mehr wieder zu erkennen wäre: Europa würde zu einem autoritären und neoliberalen Gebilde mutieren, die sozialen Spannungen würden sich in Streiks und Unruhen entladen. Dieser unausweichliche Niedergang Europas wäre der perfekte Nährboden für Populismen, Nationalismen und natürlich Rassismus. Ein Vorgeschmack bietet die spitze Hetzfeder von Broder auf  Welt-online.

Der Zerfall des Euros wird immer wahrscheinlicher. Die “Rettung” funktioniert irgendwie nicht, man ist immer noch nicht bereit, dem Wahnsinn ins Gesicht zu schauen. Doch die Schar der Zweifler wird größer, neben der Blogospähre wachen auch die ÖR-Medien auf: Jörg Schönenborn plagt die Sorge, nicht die anderen, sondern wir könnten der Geisterfahrer sein.

Noch sind wir stramm auf dem Weiter-so-Kurs in den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Abgrund. Das kann sich sehr schnell ändern, die Südländer könnten sich durchsetzen und ein schmerzhaftes Abinflationieren der Probleme einleiten, es könnte aber auch ein unkontrollierte Kollaps erfolgen – das wäre der leider nicht unwahrscheinliche GAU der Euro-Zone.

03. August 2012 von stillewasser
Kategorien: Euro-Krise | Schreibe einen Kommentar

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