Mitleid mit einem Antisemiten
Soll und darf man mit einem Antisemiten Mitleid haben? Ich denke schon, wenn man diese skurrile Geschichte liest:
Csanad Szegedi, der Vize-Präsident der rassistischen und antisemitischen Jobbik-Partei in Ungarn, die auch im Europaparlament vertreten ist, trifft das Schicksal mit voller Härte: er muss erfahren, dass er jüdische Wurzeln hat!
Seine Großeltern haben den Nazi-Terror überlebt, seine Großmutter Auschwitz und sein Großvater ein Arbeitslager. Szegedi trat von seinen Ämtern zurück – offiziell wegen eines Korruptionsverdachts – und nach einem Gespräch mit einem orthodoxen Rabbi möchte er Auschwitz besuchen und hat sich bei der jüdischen Gemeinde entschuldigt.
Es ist eine Geschichte, die so nur das Leben schreiben kann. Es ist auch eine europäische Geschichte, ein seltsames Treffen unserer längst überwunden geglaubten Vergangenheit mit unserer Moderne und sie zeigt: wir sind lernunfähig, wir müssen alte Fehler wiederholen.

