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Libyen nach dem Abspann

Ich hatte das Drehbuch früh in Händen. Ich fand es offen gestanden miserabel, aber von den Live-Dreharbeiten konnte ich mich nicht abwenden. Es war diese ewige Leier vom Krieg: ein armes, unterdrücktes Volk braucht dringenst Hilfe! Wir als die Guten™ müssen sie sofort erretten und das böse Ungeheuer töten, dann können wir alle zusammen nach dem Abspann glücklich den Erfolg feiern.
Die Wirklichkeit™ ist aber kein Hollywood-Drehbuch. Gadaffi ist kein Unschuldslamm und es gab damals tödliche Unruhen, zweifellos. Aber nach dem langen Krieg herrscht in Libyen kein Friede - nur die Hollywood-Scheinwerfer wurden ausgeknipst. Keiner interessiert sich mehr für das libysche Volk, denn ihm wurde schließlich die Freiheit™ geschenkt. Die Inszenierung des Krieges war perfekt, der Höhepunkt, die Menschenjagd und die Hinrichtung des absolut Bösen™, gut getimed, damit sich die nervenzerreißende Spannung in eine befreiende Erlösung entladen kann. Soweit lief alles nach Drehbuch.
Der Mantel des Schweigens hat sich über Libyen ausgebreitet und niemand interessiert sich für das wieder ferne Land in Afrika.

Wir haben Krieg gespielt, wir waren Menschenjäger, aber eines taten wir bestimmt nicht: wir inszenierten das Spektakel nicht zum Schutze der libyschen Bevölkerung!

Nach einem achtmonatigen bewaffneten Konflikt, den die politisch Verantwortlichen im Westen noch immer nicht als Bürgerkrieg bezeichnen wollen, ist der Schutz der Zivilbevölkerung - der offizielle Grund für die Intervention der Nato - noch längst nicht gesichert. Die auftrumpfende Sprache der führenden Nato-Staaten, die sich nach der Eroberung von Sirte und Gaddafis Tod zu "ihrem Sieg" beglückwünscht haben, lässt ein tiefes Desinteresse am Schicksal des libyschen Volkes erkennen, das sie durch ihre Bomben angeblich schützen wollten.
Quelle: Le Monde diplomatique via Zeitgeist Blog
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