FREIHEIT, DIE WIR MEINEN: SOLIDARITÄT ABGESCHAFFT?
Und wieder wird die Freiheit des Einzelnen beschworen.
Als Lockruf, das Gemeinschaftliche, Solidarische aufzugeben. Das Bismark'sche System der Gleichmacherei. Sozialismus ante portas? Das allerdings bereits seit 1881, als Kaiser Wilhelm I. auf Initiative eben des Reichskanzlers Otto von Bismarck den Aufbau von Arbeitnehmerversicherungen einleitete.
Fortan sollte der Staat die Existenzsicherung seiner Bürger verantworten, die auf folgenden Grundsätzen basiert:
1. Finanzierung der Rente durch vorherige Beitragszahlung der Versicherten,
2. Beaufsichtigung und Beteiligung des Staates an der Sozialversicherung,
3.Grundlage des Selbstverwaltungsprinzips: Arbeitgeber und Versicherte haben volles Mitspracherecht über eine von ihnen gewählte Vertreterversammlung,
4. Beteiligung der Arbeitgeber am Beitragsaufkommen zur Sozialversicherung.
Im Jahre 1883 führte Bismarck die Krankenversicherung ein, 1884 die Unfallversicherung und ab 1889 konnten die Arbeitnehmer sich erstmals gesetzlich gegen die Folgen von Alter und Invalidität absichern. Regelungen, die, m.E. zu Recht, als gesellschaftliche Meilensteine des Gemeinwesens Staat angesehen wurden – in der ganzen Welt.
Das solidarische Prinzip steht seit langer Zeit am Pranger. Der neue Gesundheitsminister Rösler (FDP) bringt es nun, wie @Stillewasser zitiert, auf den Punkt:
“Es wird in jeder Gesellschaft einen Ausgleich geben müssen zwischen Arm und Reich - aber eben nicht im Gesundheitssystem.”
Die Forderung zur Abschaffung eines solidarischen Gesundheitssystems.
Es geht eben NICHT um Abschaffung großer Mängel innerhalb des Gesundheitssystems, eines der teuersten der Welt und doch gleichzeitig, qualitativ, höchstens im Mittelfeld sich befindend.
Es geht der Regierung Merkel bzw. dem Gesundheitsminister Rösler (immerhin Arzt) darum, Verdienstquellen zu erschliessen, d.h., @Stillewasser benennt es, „das Gesundheitssystem von seiner Sozialität zu kurieren“.
Der Patient als Mittelpunkt des Gesundheitssystems wird abgeschafft. GEWINN soll an seine Stelle treten. Mittels Kopfpauschale, bedeutend, der Milliardär zahlt genau soviel wie die Kassiererin beim Discounter. Diese soll, mangels eigener finanzieller Möglichkeiten, durch den Staat subventioniert werden.
Bürger, Wahl-Bürger, mag sich seine Meinung bilden, wenn es ihn selbst betrifft, z.B. dann, ich beziehe mich auf @Schlechinger, wenn er die Häupter seiner Kinder zählt und anfängt zu rechnen … Denn für JEDES Haupt soll die Kopfpauschale eingefordert werden.
Im Klartext: dieses System gründet auf der Idee, den Millionär zu subventionieren, nicht den Kleinen Mann. Lockmittel dazu ist der „Ruf nach Freiheit“, der wieder einmal missbraucht wird.
Gehen wir doch, für EIN BEISPIEL, in die Absurdität:
1.Altes Ehepaar. Schwerstpflegebedürftig. Er Leitender Regierungsdirektor a.D. Privat versichert seit ewig. Nicht sprachfähig. Zuhause gepflegt. Die dortige Behandlungspflege wird von seiner Privaten Krankenversicherung NICHT bezahlt. Hausbesuche werden vom behandelnden Arzt mit ca. 180.- DM durchschnittlich abgerechnet. Er benötigt eine extrem aufwendige Dekubitus-Matratze (12.000.- DM). Die private Krankenversicherung zahlt NICHT.
2. Altes Ehepaar, drei Häuschen weiter. Er Amtmann a.D. Nicht sprachfähig. Zuhause gepflegt. Die dortige Behandlungspflege wird von seiner Gesetzlichen Krankenkasse voll übernommen. Hausbesuche werden im gesetzlichen Rahmen vom selben Arzt abgerechnet. Auch er benötigt diese Dekubitus-Matratze. Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt.
Man gestatte mir zum Schluss die Frage, ob Kostensteigerungen innerhalb des Gesundheitssystems auf Gesetzliche Krankenkassen beschränkt sind und ob Private Krankenversicherungen keine Beitragssteigerungen kennen.
Darüberhinaus mag es ja sein, dass der Begriff „Arbeitnehmerversicherung“, als Ausgangspunkt des bismark'schen Solidaritätsgedankens von 1881, etwas Diskriminierendes enthält. So einen bitteren Beigeschmack für distanzverwöhnte Menschen. Mit entsprechenden Folgen.
Vindelicus on Dezember 13th 2009
FREIHEIT, DIE WIR MEINEN: SOLIDARITÄT ABGESCHAFFT?
Und wieder wird die Freiheit des Einzelnen beschworen.
Als Lockruf, das Gemeinschaftliche, Solidarische aufzugeben. Das Bismark'sche System der Gleichmacherei. Sozialismus ante portas? Das allerdings bereits seit 1881, als Kaiser Wilhelm I. auf Initiative eben des Reichskanzlers Otto von Bismarck den Aufbau von Arbeitnehmerversicherungen einleitete.
Fortan sollte der Staat die Existenzsicherung seiner Bürger verantworten, die auf folgenden Grundsätzen basiert:
1. Finanzierung der Rente durch vorherige Beitragszahlung der Versicherten,
2. Beaufsichtigung und Beteiligung des Staates an der Sozialversicherung,
3.Grundlage des Selbstverwaltungsprinzips: Arbeitgeber und Versicherte haben volles Mitspracherecht über eine von ihnen gewählte Vertreterversammlung,
4. Beteiligung der Arbeitgeber am Beitragsaufkommen zur Sozialversicherung.
Im Jahre 1883 führte Bismarck die Krankenversicherung ein, 1884 die Unfallversicherung und ab 1889 konnten die Arbeitnehmer sich erstmals gesetzlich gegen die Folgen von Alter und Invalidität absichern. Regelungen, die, m.E. zu Recht, als gesellschaftliche Meilensteine des Gemeinwesens Staat angesehen wurden – in der ganzen Welt.
Das solidarische Prinzip steht seit langer Zeit am Pranger. Der neue Gesundheitsminister Rösler (FDP) bringt es nun, wie @Stillewasser zitiert, auf den Punkt:
“Es wird in jeder Gesellschaft einen Ausgleich geben müssen zwischen Arm und Reich - aber eben nicht im Gesundheitssystem.”
Die Forderung zur Abschaffung eines solidarischen Gesundheitssystems.
Es geht eben NICHT um Abschaffung großer Mängel innerhalb des Gesundheitssystems, eines der teuersten der Welt und doch gleichzeitig, qualitativ, höchstens im Mittelfeld sich befindend.
Es geht der Regierung Merkel bzw. dem Gesundheitsminister Rösler (immerhin Arzt) darum, Verdienstquellen zu erschliessen, d.h., @Stillewasser benennt es, „das Gesundheitssystem von seiner Sozialität zu kurieren“.
Der Patient als Mittelpunkt des Gesundheitssystems wird abgeschafft. GEWINN soll an seine Stelle treten. Mittels Kopfpauschale, bedeutend, der Milliardär zahlt genau soviel wie die Kassiererin beim Discounter. Diese soll, mangels eigener finanzieller Möglichkeiten, durch den Staat subventioniert werden.
Bürger, Wahl-Bürger, mag sich seine Meinung bilden, wenn es ihn selbst betrifft, z.B. dann, ich beziehe mich auf @Schlechinger, wenn er die Häupter seiner Kinder zählt und anfängt zu rechnen … Denn für JEDES Haupt soll die Kopfpauschale eingefordert werden.
Im Klartext: dieses System gründet auf der Idee, den Millionär zu subventionieren, nicht den Kleinen Mann. Lockmittel dazu ist der „Ruf nach Freiheit“, der wieder einmal missbraucht wird.
Gehen wir doch, für EIN BEISPIEL, in die Absurdität:
1.Altes Ehepaar. Schwerstpflegebedürftig. Er Leitender Regierungsdirektor a.D. Privat versichert seit ewig. Nicht sprachfähig. Zuhause gepflegt. Die dortige Behandlungspflege wird von seiner Privaten Krankenversicherung NICHT bezahlt. Hausbesuche werden vom behandelnden Arzt mit ca. 180.- DM durchschnittlich abgerechnet. Er benötigt eine extrem aufwendige Dekubitus-Matratze (12.000.- DM). Die private Krankenversicherung zahlt NICHT.
2. Altes Ehepaar, drei Häuschen weiter. Er Amtmann a.D. Nicht sprachfähig. Zuhause gepflegt. Die dortige Behandlungspflege wird von seiner Gesetzlichen Krankenkasse voll übernommen. Hausbesuche werden im gesetzlichen Rahmen vom selben Arzt abgerechnet. Auch er benötigt diese Dekubitus-Matratze. Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt.
Man gestatte mir zum Schluss die Frage, ob Kostensteigerungen innerhalb des Gesundheitssystems auf Gesetzliche Krankenkassen beschränkt sind und ob Private Krankenversicherungen keine Beitragssteigerungen kennen.
Darüberhinaus mag es ja sein, dass der Begriff „Arbeitnehmerversicherung“, als Ausgangspunkt des bismark'schen Solidaritätsgedankens von 1881, etwas Diskriminierendes enthält. So einen bitteren Beigeschmack für distanzverwöhnte Menschen. Mit entsprechenden Folgen.