Hollywood zu Gast in Libyen

In Libyen herrschte einst ein verrückter und menschenverachtender Diktator Namens Muammar al-Gaddafi. Doch eines Tages erhoben sich die Gutmenschen im Lande und kämpften für Freiheit und Demokratie. Ihr Ziel, das Land vom Tyrannen zu befreien, einte sie und verlieh ihnen ungeahnte Kräfte. Sie standen bereist vor den Toren der Hauptstadt Tripolis, als der Herrscher mit seinen importierten Klon-Söldnern erbarmunglos zurück schlug. Das Blatt wendete sich, die Rebellion schien verloren. Doch dann geschah das Wunder: im allerletzten Moment kam die Kavallerie und alles wurde gut.
Natürlich fehlt noch eine Liebesgeschichte, aber ansonsten ist der Plot hollywoodreif. Nur hat dieser medial inszenierte Kriegsfilm nichts mit der Realität zu tun. Gaddafi ist verrückt und grausam, keine Frage, aber ob die Rebellen wirklich für Freiheit und Demokratie kämpfen? Ich weiß es nicht, aber ich habe da meine Zweifel. Und die Rolle der Kavallerie ist mehr als sonderbar. Der jetzige Oberbefehlshaber der Angriffsanktion, der US-Präsident Obama, möchte seine Ruf als Friedensnobelpreisträger nicht ruinieren und lieber andere bomben lassen. Der kleine Sarkozy möchte gerne das Kommando haben und die Truppen in die libysche Wüste schicken, doch in seiner blindwütigen Angriffslust hat er den wichtigen NATO-Partner Türkei vor den Kopf gestoßen.
Bisher wirkt das Vorgehen rettenden Kavallerie kopf- und konzeptionslos, vielmehr scheint es ein Kindergarten zu sein: unreife Gören streiten sich darum, wer mal mit den großen Waffen spielen darf. Demokratie? Die kann warten, erstmal muss das Militär ran. Menschenrechte? Och, so ein Bombardement macht doch mehr her. Oder Frauenrechte? Na klar, die Weiber wollen doch ohnehin alle Witwen werden.

Und Deutschland? Unser Außenminister hat sich während der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat der Stimme enthalten. Nein, natürlich nicht aus ethischen Motiven, vielmehr wollte Guido den Nein-zum-Irak-Krieg-Schröder machen. Das hat nicht funktioniert, weil nichts funktioniert, was Guido macht.
Entsetzt schreien die Kriegstreiber auf: die Enthaltung ist eine Schande für unser Land! Ja, das ist wohl wahr, aber das ist auch gut so! Wenn wir nämlich an einem Krieg nicht teilnehmen, steigt die Siegeschance um mindestens 220 %.

Es ist wirklich schade, dass Gutti nicht mehr Verteidigungsminister ist. Er hätte die Schande, die der Außenminister unserem stolzen Land zugefügt hat, wieder rein gewaschen. Ohne zu zögern wäre er selbst in einen Euro-Fighter gestiegen, nach Libyen geflogen und über dem Präsidentenpalast mit dem Fallschirm angesprungen.
Was wäre das für ein großartiges Bild gewesen, ein Triumpf für jedes Tittenblatt: Gutti hält den frisch abgeschlagenen Kopf des Tyrannen und die aufgehende Morgensonne des Orients. Bedenkt vom warmen, dampfenden Blut des Bösen stößt unser Superheld seinen markerschütternden Siegesschrei aus, der ganz Arabien freudig erschaudern lässt.