Die Freiheit der Boulevardpresse
Am Drei-Königs-Tag ist FDP-Tag. Man ist in Stuttgart. Letztes Jahr sprach der „rhetorisch brillante“ Guido Westerwelle. Er pries noch einmal, was die sogenannte „bürgerliche Koalition“ bis dahin zustande gebracht hatte: Der „Herbst der Entscheidungen“ werde sich nicht zuletzt in Baden-Württemberg auszahlen – damit hat er recht unfreiwillig ganz recht behalten – eine tatsächlich rhetorisch brillante prophetische Leistung. Es handelte sich um eine unglaublich gute Rede als Einleitung zum absurden Theater der „bürgerlichen Koalition“, worin dann der Freiherr zu Guttenberg eine noble Rolle spielte. Das Theaterstück heißt „Endspiel“, vordergründig für die FDP, aber auch für die Union. Diese ist bei der letzten, aktuellen Szene mit Christian und Bettina Wulff eben deshalb betroffen, weil Wulff die erste Wahl der Bundeskanzlerin, aber keineswegs die der Volksmeinung war.
Der Bundespräsident hat sich in von und zu Guttenberg ein Vorbild genommen. Wie dieser Berater für diejenige „Freiheit des Internet“ im Kontext der EU-Kommission geworden ist, so setzt sich Wulff ganz aktiv für die „Freiheit“ der Boulevard-Presse ein: die „Kriegserklärung“ auf der Handy-Mailbox von Kai Diekmann.
Selbst zurückhaltenden Menschen dürften diese beiden Fälle, gerade auch der zweite, zeigen, dass bei „BILD“ Illusionskünstler/innen am Werk sind. die sich ihre Republik bilden wollen. Bei von und zu Guttenberg habe selbst ich vielleicht 14 Tage befürchtet, das scheine zu gelingen – wirklich ein Grund auszuwandern. Die Umfragewerte von Guttenbergs erreichten astronomische Werte der Zustimmung! Es hat aber Gott sei Dank insbesondere wg. des Internet nicht geklappt. Beim Fall Wulff ist nun unübersehbar, dass bei „BILD“ selbstzerstörerische Kräfte am Werk sind. Denn der „Fall Wulff“ ist eben auch ein Fall „BILD“.
Aus meiner Sicht muss man dennoch die Kirche im Dorf lassen. Entscheidend und zu untersuchen ist, ob er nun in einer Geschäftsbeziehung zu Herrn Geerkens stand – oder sich gar der Vorteilsannahme im Amt schuldig gemacht hat (BW-Bank; VW!). Dem gesunden Menschenverstand zufolge ist jedenfalls das Erste der Fall. Wenn es sich so verhält, muss er zurücktreten. Denn dann hat er gegenüber dem niedersächsischen Landtag die Unwahrheit gesagt. Trotzdem ist da eine menschliche Tragik zu spüren. Nach seiner Scheidung will er mit Bettina ein Heim für seine Patch-Work-Familie. Zudem muss er seine geschiedene Frau auszahlen. Das hat er nicht ganz „geradlinig“ hinbekommen. Mehr ist da wahrscheinlich nicht.
Das absurde Theater des „bürgerlichen Lagers“ erscheint nun schon gut zwei Jahre als eine Doku-Soap mit dem Titel „Unter den Linden“. Der Bürger/in scheint das nicht mehr allzu gut zu gefallen: http://www.wahlrecht.de/umfragen/index.htm "> Nicht nur die FDP ist übermorgen in Erklärungsnot. Wulff im Kontext der Kanzlerin gibt ein Interview, das heute 20.15 auf Ardzdf gesendet wird! Nächste kleine Episode in der Doku-Soap ...

Martin Pöttner on Januar 05th 2012
stillewasser on Januar 09th 2012
Wulff hat sich verrannt, ohne Zweifel, die Medien aber auch. Sogar soweit, dass es ihnen selbst auffällt!
> http://www.sprengsatz.de/?p=3791
> http://gutjahr.biz/blog/2012/01/politik-und-medien/
> http://post-von-horn.de/2012/01/06/herr-diekmann-ubt-die-metamorphose/