Nachgetreten: Die Hartz WM

Wir leben in einem glücklichen Jahr! Es ist das Jahr der schröderschen Agenda 2010, das Jahr der Verwirklichung der Hartz-Vision! Die verheißungsvolle Zeit der neoliberalen Ära der Glückseligkeit ist angebrochen! Und welch Zeichen des Himmels, auch der Fußballgott spielte gnädig mit und spendierte zum Jubiläum eine gelungene WM. Wenn das kein doppelter Grund zum Feiern ist!

Zum ersten Mal wurde die WM in Afrika ausgetragen. Es ist angesichts der Weltwirtschaftskrise eine durchaus passende Symbolik, wenn der Kontinent, der für seine enormen Sklavenressourcen bekannt war, gerade zu diesem Zeitpunkt erwählt wurde. Diese weise Entscheidung weißt die Richtung, in der die FIFA- und die Unterschichten-Ökonomie voranschreiten. Das Geld und die Macht werden nach oben um verteilt: Die FIFA war diesmal wie auch stets zuvor vollkommen von Zahlung der Einkommen- und Umsatzsteuer befreit. Um die Stadien wurden die Interessen der Sponsoren rigoros durchgesetzt, die einheimische Straßenhändler wurden vertrieben. Für das gemeine Volk gibt es tolle Spiele und ein paar Krümel, die ab und zu  herunterfallen, wenn sich das Elitariat trifft.

Geld wird immer wichtiger, gerade im Fußball. Das Jubeln mit den Fans wird nicht bezahlt, es ist nur lästig. So ist es verständlich, dass unsere Jungs, die eine wirklich schöne WM gespielt haben, die Feiern in Frankfurt und Berlin absagten und lieber direkt in den Urlaub flogen.

Es scheinen Randerscheinungen zu sein, doch es fügt sich zusammen: Fußball ist Vermarktung pur, die Masse soll sich euphorisieren, um möglichst viel Geld auszugeben. Schließlich müssen sich die Investitionen rentieren.
Der Sport, der Respekt vor dem Gastgeberland, Chancen für NIcht-FIFA-Club-Mitglieder zu ermöglichen, all dass wird vom Vuvuzela-Geheul der Finanzinteressen übertönt.
Der Staat stellt die Infrastruktur, verschuldet sich, ein paar prekäre Jobs werden geschaffen und die Gewinne verschwinden im Dunstkreis der FIFA-Funktionäre.
Das ist auch gut so, denn es ist die Fußball-WM im Hartz-Jahr!

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