Der alte Geist der neuen Kommandotruppen

Ein starkes Stück Hofberichterstattung findet sich bei der Zeit. Unter dem Titel “Unter Kriegern” wird selbst an der Heimatfront embedded über die KSK der Bundeswehr berichtet. In blumigen Worten wird  über die “geilen Macker” mit ihren “dicken Uhren” berichtet - die kriegslüsterne Bewunderung für die Elitesoldaten trieft aus jeder Zeile, jedem Komma der Autorin.
Lesens- und bemerkenswert ist auch das Verständnis des Pfarrers, der die Spezialkräfte betreut. Immerhin bestehen die Aufgaben der Truppe in der Jagd nach “Zielpersonen”, die nicht selten aus blutigen “Hausbesuchen” besteht. Den kirchlichen Segen erhalten die Krieger mit dem unbiblischen Begriff der Resilienz, der einen schonenden Umgang mit dem  Töten erlaubt.

Erstaunlich offen und nahezu unkritisch erklärt die Journalistin, dass es eine demokratische Vorgehensweise sei, außerhalb jeglicher demokratischer Kontrolle zu agieren.
Besonders das Selbstverständnis der Elite-Truppe lässt keinen Zweifel, dass das Konzept der Bundeswehr als Staatsbürger in Uniform erfolgreich überwunden wurde und wieder an das tapfere, ehrhafte Bild alter Wehrmachtssoldaten angeknüpft wird:

Charakteristisch sei zudem seine besondere Affinität zum Soldatischen, sagt ein 32-jähriger Hauptmann, der seit fünf Jahren beim Verband ist: »Da geht es auch um den Mann an sich, den Krieger.«

Ein aufschlussreicher Bericht der AG Friedensforschung unter dem Titel “Die Kommandosoldaten des KSK wissen genau, wo ihre Wurzeln liegen” zeigt, wie stark die Traditionslinien der Kommandokräfte zur Wehrmacht wirklich sind. Der Staat im Staate ist nur noch eine guttenbergsche Bundeswehrreform entfernt.

Übrigens, fast zufällig zeitgleich wirkend findet sich in der FAZ ein Artikel über das Spezialkommando der Bundeswehr. Es ist ein Ratgeber für Karrieremöglichkeiten von Ex-Elite-Soldaten. Unter dem treffenden Titel “Durchs Rost gefallen” wird das Schicksal eines in Afghanistan traumatisierten Soldaten des KSK’s erzählt, der nach einer langen Leidensgeschichte heute von Hartz IV leben muss.
Ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass selbst einer der einst zu den “Besten der Besten” zählte, wenn er die geforderte Leistung nicht mehr erbringen kann, genauso zum gesellschaftlichem Müll wird wie alle anderen auch.

Unsere alten Geister erstarken wieder - obwohl, das ist nicht ganz richtig. Heute wie damals zeigen sie nur, dass sie für Tod, Unheil und Zerstörung sorgen können, aber siegreich waren sie nie noch - weder in den beiden Weltkriegen noch am Hindukusch.
Nichtsdestotrotz steht dem Glauben an unsere alten Geister eine unheilige Auferstehung bevor, wie so oft in unserer Geschichte. Das Ziel, das unsere Eliten wünschen, ist stets das gleiche: der Tod durch Menschenhand muss wieder ein alternativloses Mittel zur ihrer Machtdurchsetzung werden.

Wir sind auf einem guten Weg.

Weiter so!

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